LeadCom2025-04-02T21:59:05+02:00

Verbundprojekt LeadCom

Digitale Schulentwicklung an Grundschulen

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Im Verbund aus elf Hochschulen, zahlreichen Schulen und Transferpartner:innen werden im Rahmen des vom BMBF geförderten Projekts LeadCom Fortbildungs- und Beratungsangebote zur Professionalisierung von Schulleitungen und mit digitaler Schulentwicklung befasster Lehrkräfte (Digital Leaders) im Hinblick auf eine zukunftsorientierte digitale Schulentwicklung entwickelt und umgesetzt.

Der Fokus des Teilprojekts an der PH Schwäbisch Gmünd liegt dabei auf der digitalen Schulentwicklung in Grundschulen sowie auf der Erforschung von Haltungen, Bedarfen und Verhaltensweisen von Digital Leaders in Bezug auf Professionaliserungsprozesse.

Details zur bisherigen Forschung

Überblick  Forschungsphasen

 

 

Diese Delphi-Studie dient als Basis für die Herausarbeitung, Legitimation und konsensbasierte Validierung tragfähiger und praxisorientierter Konzepte zur Entwicklung zukunftsfähiger Schulen, insbesondere Grundschulen. Die Ergebnisse fließen unmittelbar in die Entwicklung zukunftsgerichteter digitaler Fort- und Weiterbildungsangebote für Lehrkräfte und Schulleitungen ein.

Die Befragung nimmt Schulentwicklung ganzheitlich in den Blick. Ausgangspunkt für den Forschungsprozess sind die fünf Dimensionen digitalisierungsbezogener Schulentwicklung (Organisations-, Unterrichts-, Personal-, Technologie- & Kooperationsentwicklung; Eickelmann und Gerick 2017). Der Fragebogen basiert weiterhin auf den folgenden bisherigen Vorarbeiten:

  • Interviews mit Schulleitungen und Lehrkräften (siehe Punkt „Bisherige Ergebnisse (Interviewstudie)“)
  • internationaler Expert:innen-Workshop, in dem Handlungsmöglichkeiten auf allen Schulentwicklungsebenen gesammelt wurden (siehe Beitrag) sowie
  • Strategiepapiere und Kompetenzmodelle (z. B. KMK-Empfehlungen, DigComp 2.2, OECD Lernkompass 2030)
  • Lehrkräfteprofessionalisierungsmodell iPRODiG (Irion et al. 2023, 96).
  • Zentrale Leadership-Konzepte: Digital Leadership in Education sowie Distributed Digital Leadership (Breitschaft et al. 2023; Wilbers et al. 2024)

Ablauf und Struktur der Delphi-Studie

Die Studie besteht aus mehreren Befragungsrunden, um einen möglichst breiten Konsens über tragfähige Handlungskonzepte zu erzielen. Jede Runde ermöglicht Ihnen differenzierte Einschätzungen und bietet Raum, Ihre Perspektiven aktiv einzubringen.

Nach Abschluss der ersten Runde erhalten Sie eine Rückmeldung der aggregierten Gruppenurteile auf deren Basis Sie ihre Urteile bzw. Einschätzungen überdenken und ggf. anpassen können

Prozess und Datenschutz:

Die Teilnahme an dieser Studie ist freiwillig. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit ohne Nachteile widerrufen. Alle, im Rahmen dieser Studie, erhobenen Daten sind vertraulich und werden für die weitere Auswertung anonymisiert. Dadurch sind keine Rückschlüsse auf Ihre Person möglich.

Theoretisch stützt sich die Studie auf das Konzept des Digital Leadership in Education, welches die Aspekte Schulen digital führen sowie Schulen in digitalen Zeiten führen umfasst (Breitschaft et al. 2023, S. 10). Diese Dimensionen bringen zum Ausdruck, dass es sowohl um die interne Anwendung digitaler Werkzeuge zur Verbesserung und Umgestaltung von Lehr-, Lern- und Organisationsprozessen geht, als auch um die Anpassung der Schulführung an die gesellschaftlichen Veränderungen, die u. a. durch die Digitalisierung bedingt sind.

Leadership setzt in diesem Kontext auf verteilte Führungsansätze, die bestehende Strukturen nutzen und zugleich proaktiv innovative Veränderungsprozesse anstoßen (Distributed Leadership/Distributed Digital Leadership/Ambidextrous Agile Educational Leadership/Leadership for Learning, Ambidextrie; Harris & Spillane 2008; Mayrberger 2024; Schäfer et al. 2024; Tulowitzki & Pietsch 2020). Zentrales Ziel ist dabei die Stärkung partizipativer Strukturen (Einbezug aller an Schule beteiligten Personen und externer Partner:innen) und die Nutzung individueller Kompetenzen als Ressource für eine nachhaltige digitale Schulentwicklung (Harris 2008; Leithwood & Jantzi 2006; Phillips 2014). Das Führungsverständnis wird mit Ansätzen der Schulentwicklungsforschung im digitalen Wandel verknüpft (u.a. Eickelmann & Gerick 2017; Schiefner-Rohs & Krein 2023).

Eine Delphi-Studie ist ein strukturierter Gruppenkommunikationsprozess, in dem Expert:innen Sachverhalte beurteilen, über die unsicheres und unvollständiges Wissen existiert (Häder & Häder, 1995). In jüngeren Delphi-Studien wird ein breites Spektrum von Expert:innen einbezogen, deren Auswahl sich nach ihrer Zugehörigkeit zu relevanten gesellschaftlichen Sektoren/Gruppen und ihrer professionellen Fachkompetenz richtet (Ammon, 2009). Die Delphi-Methode dient dazu, ein Thema mit vielen unterschiedlichen Meinungen oder offenen Fragen so zu strukturieren, dass alle relevanten Aspekte erkennbar und gewichtet werden können (Ammon, 2009).

Charakteristische Merkmale der Delphi-Methode umfassen die Befragung von Expert:innen mittels Fragebogen oder Interview, die Information der Teilnehmer:innen über diese Gruppenantwort zu jeder Runde, und die (mehrfache) Wiederholung der Befragung bis ein bestimmtes Abbruchkriterium erreicht ist, wie etwa die angestrebte Konvergenz der Ergebnisse (Geschka, 1977; Häder & Häder, 1994, 2002).

In leitfadengestützten Expert:inneninterviews wurden Digital Leaders (Schulleitungen und mit digitaler Schulentwicklung befasste Lehrkräfte) zu ihren Erfahrungen, Rollenverständnissen und Handlungspraktiken befragt. Der initiale Stichprobenumfang (N₀=32) wurde mittels iterativem Theoretical Sampling (Strübing 2018, S. 31-34) auf eine theoretisch gesättigte Analyseeinheit (n=19) reduziert und nach qualitativer Inhaltsanalyse (Mayring 2022) mit induktiver und deduktiver Kategorienbildung ausgewertet. Dieser explorativ-qualitative Forschungszugang erlaubte es, tiefere Einblicke in implizite Führungsverständnisse und gelebte Praktiken in ihrer sozialen Realität zu erhalten (Flick et al. 2022, S. 21)
Die systematische Analyse der Interviews zeigt u.a. folgende Ergebnisse in Bezug auf Führungsstrukturen und digitale Schulentwicklung:

  • Als handlungsleitender Hinderungsgrund für digitale Schulentwicklung wird von den Befragten mangelnde Zeit als Belastung genannt.
  • Die Verantwortung für digitale Schulentwicklung liegt bei einzelnen Personen wie der Schulleitung oder designierten Lehrkräften. Diese Rollen werden teilweise unfreiwillig übernommen. 
  • Nur eine der befragten Schulleitungen hat eine spezifische Führungsqualifizierung durchlaufen.
  • Die Verantwortung für die Entwicklung einer zeitgemäßen Lern-, Lehr- und Prüfungskultur wird oft externalisiert und z.B. beim Kultusministerium oder bei Verlagen verortet.
  • Die Partizipation weiterer Akteur:innen in Schulentwicklungsprozessen wird eher als (zeitliche) Belastung empfunden.

Hinsichtlich der Nutzung von und der Haltung zu digitalen Medien in Grundschulen wurde in 5 von 16 Interviews die Grundschule explizit als medienfreier Raum positiv bewertet. Der Verlust der Handschriftfähigkeit stellt eine wiederkehrende Sorge der Befragten dar.

Anders, Y., Daniel, H.-D., Hannover, B., Köller, O., Lenzen, D., McElvany, N., Seidel, T., Tippelt, R., Wilbers, K., & Wößmann, L. (2021). Führung, Leitung, Governance: Verantwortung im Bildungssystem (vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V., Hrsg.). Waxmann Verlag GmbH. https://doi.org/10.31244/9783830994008

Breitschaft, J., Burri, E., Röhl, T., & Wespi, N. (2023). Einleitung und Begriffsklärung. In T. Röhl, J. Breitschaft, E. Burri, & N. Wespi (Hrsg.), Digital Leadership – Schulen im digitalen Wandel führen (1. Auflage). hep.

Eickelmann, B., & Gerick, J. (2017). Lehren und Lernen mit digitalen Medien – Zielsetzungen, Rahmenbedingungen und Implikationen für die Schulentwicklung. In K. Scheiter & T. Riecke-Baulecke (Hrsg.), Lehren und Lernen mit digitalen Medien: Strategien, internationale Trends und pädagogische Orientierungen (S. 54–81). Oldenbourg.

Flick, U., Kardorff, E. von, & Steinke, I. (2022). Was ist qualitative Forschung? Einleitung und Überblick. In U. Flick, E. von Kardorff, & I. Steinke (Hrsg.), Qualitative Forschung: Ein Handbuch (14. Auflage, Originalausgabe, S. 13–29). rowohlts enzyklopädie im Rowohlt Taschenbuch Verlag.

Ganz, M. (2010). Leading Change: Leadership, organization, and social movements. In N. Nohria & R. Khurana (Hrsg.), Handbook of leadership theory and practice: A Harvard Business School centennial colloquium. MA: Harvard University Press.

Häder, M. (2014). Delphi-Befragungen: Ein Arbeitsbuch (3. Auflage). Springer VS.

Häder, M., & Häder, S. (1995). Delphi und Kognitionspsychologie: Ein Zugang zur theoretischen Fundierung der Delphi-Methode. ZUMA Nachrichten, 19(37), 8–34.

Harris, A. (2008). Distributed school leadership: Developing tomorrow’s leaders. Routledge.

Harris, A., & Spillane, J. (2008). Distributed leadership through the looking glass. Management in Education, 22(1), 31–34. https://doi.org/10.1177/0892020607085623

Irion, T. (2020). Digitale Grundbildung in der Grundschule. Grundlegende Bildung in der digital geprägten und gestaltbaren, mediatisierten Welt. In M. Thumel, R. Kammerl, & T. Irion (Hrsg.), Digitale Bildung im Grundschulalter: Grundsatzfragen zum Primat des Pädagogischen (S. 49–81). kopaed. https://doi.org/10.25593/978-3-86736-543-7

Leithwood, K., & Jantzi, D. (2006). Transformational school leadership for large-scale reform: Effects on students, teachers, and their classroom practices. School Effectiveness and School Improvement, 17(2), 201–227. https://doi.org/10.1080/09243450600565829

Mayrberger, K. (2024). (A)AEL-Buch Version 2.0. Ambidextrous Agile Educational Leadership für die gemeinsame Gestaltung von (Hochschul-)Bildung in der Post-Digitalität. https://agile-educational-leadership.de

Mayring, P. (2022). Qualitative Inhaltsanalyse: Grundlagen und Techniken (13., überarbeitete Auflage). Beltz.

Niederberger, M., & Renn, O. (Hrsg.). (2019). Delphi-Verfahren in den Sozial- und Gesundheitswissenschaften: Konzept, Varianten und Anwendungsbeispiele. Springer VS.

Röhl, T., Breitschaft, J., Burri, E., & Wespi, N. (Hrsg.). (2023). Digital Leadership – Schulen im digitalen Wandel führen (1. Auflage). hep.

Schäfer, M., Krein, U., & Haupenthal, C. (2024). Distributed Digital Leadership?: Eine kritische Einordnung. MedienPädagogik: Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung, 420–439. https://doi.org/10.21240/mpaed/00/2024.12.08.X

Schiefner-Rohs, M., & Krein, U. (2023). Leadership revisited oder verwaltete Schulleitung? Implikationen von Digitalisierungsnarrativen im Berufsalltag von Schulleitenden. In T. Röhl, J. Breitschaft, E. Burri, & N. Wespi (Hrsg.), Digital Leadership – Schulen im digitalen Wandel führen. hep Verlag. https://doi.org/10.36933/9783035523393

Strauß, N.-C., & Anderegg, N. (Hrsg.). (2020). Teacher Leadership—Schule gemeinschaftlich führen (1. Auflage). hep.

Strübing, J. (2018). Grounded Theory: Methodische und methodologische Grundlagen. In C. Pentzold, A. Bischof, & N. Heise (Hrsg.), Praxis Grounded Theory. Springer Fachmedien Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-15999-3

Tulowitzki, P., Hinzen, I., & Roller, M. (2019). Die Qualifizierung von Schulleiter*innen in Deutschland – ein bundesweiter Überblick. DDS – Die Deutsche Schule, 111(2), 149–169. https://doi.org/10.31244/dds.2019.02.04

Tulowitzki, P., & Pietsch, M. (2020). Stichwort: Lernzentriertes Leitungshandeln an Schulen – Leadership for Learning. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 23(5), 873–902. https://doi.org/10.1007/s11618-020-00964-8

Ansprechpartnerin:

Nina Autenrieth
nina.autenrieth@ph-gmuend.de
Promovendin im Projekt LeadCom
Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd

 

Aktuelles aus dem Projekt

Projektbeteiligte

Portrait von Thomas Irion

Prof. Dr. Thomas Irion

Leitung des Teilprojekts

Thomas Irion ist Professor für Erziehungswissenschaft mit den Schwerpunkten Grundschule und Medienbildung. Er leitet das Zentrum für Medienbildung an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd und forscht und lehrt in den Bereichen Lernkulturen in der Digitalität, Digitale Grundbildung und Professionalisierung für die Digitale Grundbildung.

Portrait von Nina Autenrieth

Nina Autenrieth

Assoziierte Teilprojektleitung

Nina Autenrieth ist seit 2021 akademische Mitarbeiterin am Zentrum für Medienbildung der PH Schwäbisch Gmünd und seit August 2023 im Rahmen des BMBF-geförderten Projekts LeadCom als assoziierte Teilprojektleitung tätig. Sie promoviert aktuell zum Thema „Digitale Schulentwicklung an (Grund-)Schulen: Forschungsgeleitete Entwicklung eines Online-Fortbildungsmoduls für Digital Leaders“.

Wolfgang Bay

Dr. Wolfgang Bay

Dr. phil. Wolfgang Bay ist Habilitant im FuN-Kolleg „Heterogenität gestalten – starke Grundschulen entwickeln“, abgeordneter Lehrer, sowie im Projekt „Professionell Lesen unterrichten in einer Kultur der Digitalität (ProLuD)“ tätig.

Ein Proiektverbund von lernen:digital Kompetenzzentrum Schulentwicklung; Finanziert von der Europäischen Union NextGenerationEU; GEFÖRDERT VOM Bundesministerium für Bildung und Forschung
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