FluxDaysAI 2026: Schule im Zeitalter Künstlicher Intelligenz gestalten

22.07.2026

Nina Autenrieth

Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd, 15. Juli 2026.
Mit den FluxDaysAI brachte das Zentrum für Medienbildung der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd ca. 80 Akteur:innen aus Schule, Hochschule, Forschung, Fortbildung und Bildungsentwicklung zusammen. Im Mittelpunkt stand nicht die Frage, welche KI-Tools Schulen künftig nutzen sollten, sondern wie Schule unter KI-Bedingungen pädagogisch, organisatorisch und gesellschaftlich neu gestaltet werden kann.

Den Auftakt setzte Stefan Ruppaner, ehemaliger Schulleiter der Alemannenschule Wutöschingen, mit seinem Impuls „Lernen in Zeiten von KI“. Ruppaner weitete den KI-Begriff bewusst: KI stand in seinem Impuls nicht nur für Künstliche Intelligenz, sondern auch für kindliche Intelligenz. Damit verschob er den Fokus von Technologie auf das, worum es Schule im Kern gehen muss: Kinder in ihrer Eigenständigkeit, Neugier und Lernfähigkeit ernst zu nehmen.

Künstliche Intelligenz wurde bei Ruppaner nicht als Ersatz pädagogischer Arbeit verstanden, sondern als Möglichkeit, Lehrkräfte von Routinen zu entlasten und ihnen mehr Zeit für ihre eigentliche Kernaufgabe zu eröffnen: Beziehung, Lernbegleitung und Coaching. Zugleich stellte Ruppaner traditionelle Unterrichtsformen pointiert infrage. Seine Perspektive: Schule muss sich stärker von frontal organisierten Unterrichtslogiken lösen und Lernumgebungen schaffen, in denen Kinder Verantwortung übernehmen, Erfahrungen machen und individuell begleitet werden können.

Prof. Dr. Thomas Irion sprach über KI in Schule und Unterricht.

Der zweite Impuls kam von Prof. Dr. Thomas Irion, Direktor des Zentrums für Medienbildung. Unter dem Titel „KI in Schule und Unterricht: vom Unterrichtstool zur Bildungstransformation“ ordnete er KI nicht als bloße technische Erweiterung des Unterrichts ein, sondern als Anlass, grundlegende Fragen von Medienbildung, Grundschuldidaktik und Lehrer:innenprofessionalisierung neu zu stellen.

„Künstliche Intelligenz ist nicht einfach ein weiteres Unterrichtswerkzeug. Sie fordert Schule dazu heraus, neu zu bestimmen, wie Lernen, Verantwortung und Teilhabe in einer digital geprägten Welt gestaltet werden“, so Irion.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Werkschau studentischer KI-Projekte. Studierende präsentierten Prototypen und Projektideen, die aus konkreten schulischen Problemstellungen entwickelt wurden. Im Zentrum standen Fragen wie individuelle Förderung, differenziertes Material, sprachliche Unterstützung, Rückmeldungen zu Lernständen und die Entlastung pädagogischer Arbeit, ohne das pädagogische Urteil an Systeme abzugeben.

In den parallelen Sessions wurde dieses Spektrum vertieft. Beiträge behandelten unter anderem die veränderte Rolle von Lehrkräften im Zusammenspiel mit KI-Chatbots, KI-Fortbildung für Lehrkräfte, assistive Technologien, KI-gestützte Sprachförderung, Computational Thinking, Vibe Coding für eigene schulische Werkzeuge, Leadership und Schulentwicklung sowie die Frage, ob KI an Schulen vor allem begrenzt oder als gestaltbarer Lernraum verstanden wird.

Nina Autenrieth, Mitorganisatorin der Tagung, verdeutlichte die Veranstaltung vor allem eines: „Die Tagung hat gezeigt, dass Schulen KI nicht nur anwenden, sondern selbst gestalten können und müssen. Entscheidend ist, dass aus Unsicherheit konkrete Handlungsspielräume werden, gemeinsam, kritisch und mit Blick auf die Lernenden.“

Studierende erklären Teilnehmenden ihre selbstgebauten KI-Anwendungen

Auch die abschließende Resonanzrunde machte deutlich, dass die Teilnehmenden die FluxDaysAI als Impuls für die eigene Praxis mitnahmen. Viele wünschten sich, Lernen unter den Bedingungen von KI neu zu denken, KI-Anwendungen gemeinsam zu entwickeln und Schülerinnen und Schüler stärker als aktive Mitgestalter einzubeziehen. In einer resümierenden Wortwolke standen Begriffe wie Haltung, Aufbruch, Einfach anfangen, Inspiration, Vernetzung, Zeit & Raum und Lernen ermöglichen.

Damit wurden die FluxDaysAI zu einem Werkstattformat im besten Sinne, indem sie als Raum für Austausch, Prototypen, Kritik und nächste Schritte genutzt wurde. Die Tagung zeigte, dass KI in Schule weder als Heilsversprechen noch als reine Risikotechnologie verstanden werden muss. Entscheidend ist eine Gestaltungskultur, in der technische Möglichkeiten, pädagogische Verantwortung und schulische Entwicklung zusammengedacht werden.

Weitere Bildeindrücke sowie eine ausführliche Tagungsdokumentation finden sich hier: