Im Rahmen des Projekts ProMedia Primar 3P begleitet das Zentrum für Medienbildung schon seit Ende 2016 ausgewählte Unterrichtseinheiten, die von Studierenden in Seminaren entwickelt werden. An der Klösterleschule in Schwäbisch Gmünd wurde genau für solche Szenarien ein Klassenzimmer speziell dafür eingerichtet und kann somit als professionelles Videostudio für Unterrichtsvideografie dienen. Drei fernsteuerbare, fest installierte Kameras sowie bis zu sechs Mikrofone dienen dazu, unterschiedlichste Unterrichtssituationen verfolgen und sauber aufzeichnen zu können.

Was aber, wenn solche Möglichkeiten nicht gegeben sind? Um die Videografie auch an anderen Schulen – allen voran an unseren Transferschulen Hardt und Mutlangen – durchführen zu können, benötigt man ein flexibles und mobiles Videografiesystem. Daher haben wir uns nach gründlicher Recherche für ein Swivl-System entschieden. Ein Swivl-Roboter ist im Prinzip ein drehbares Stativ, auf das ein iPad montiert wird. Dabei nutzt die Swivl-App die Kamera des iPads für die Videoaufnahme. Weiterhin gehört ein sogenannter Marker zum System, den die Lehrkraft typischerweise bei sich trägt. Der Marker dient zum einen als Mikrofon, zum anderen als Positionsgeber für die Bildverfolgung. D.h. die Drehbewegung des Swivl folgt dem Marker. An einen Swivl-Roboter lassen sich mehrere dieser Marker koppeln, wodurch sich nicht nur Aufnahmen der Lehrperson, sondern auch einzelner Schüler, Gruppentische oder Aufnahmen des ganzen Raumes realisieren lassen. In jeder aufgezeichneten Unterrichtsstunde kommen bei uns zwei solcher Roboter zum Einsatz, wobei sich einer, in Bezug auf die visuelle Verfolgung, am Lehrenden orientiert. Das zweite Gerät fängt vorwiegend Eindrücke der Schülerinnen und Schüler ein.

Im Rahmen des Seminars »Bildung und ästhetisches Lernen: Theorie und Praxisforschung in der Kunstpädagogik« von Prof. Dr. Klaus Ripper haben wir im Juni 2018 dieses Prozedere an der Hardt-Schule genutzt, um eine von den Semiarteilnehmern konzipierte Unterrichtseinheit zum Thema Bild-Textkombination zu begleiten. In der Praxis erwies sich das System bisher als durchaus brauchbar, hat jedoch manchmal auch seine Schwierigkeiten, gerade in dynamischen Unterrichtsituationen mit dem Bild mitzukommen. So mussten die Kameraperspektiven einige Male manuell neu justiert werden. Die Möglichkeit der flexiblen Mikrofonierung mit den Markern erwies sich jedoch als sehr praktisch und ermöglichte eine saubere Tonaufzeichnung, die in der Videografie oft eine der größten Herausforderung darstellt. Auch das sehr komfortable Handling der Daten über einen geschützten, in Europa stationierten Cloud-Server war ein großer Vorteil. So konnten die Seminarteilnehmenden das Videomaterial schnell und unkompliziert zur Reflexion und Aufarbeitungen nutzen.

Insgesamt macht das Swivl-System einen positiven Eindruck und kann mit einem durchdachten Videografiekonzept sicher seinen Zweck erfüllen. Allerdings bietet ein fest installiertes Videografiesystem, wie wir es an der Klösterleschule haben, weiterhin klare Vorteile, mit denen die mobile Lösung nicht ganz mithalten kann. Es hat dafür auch im wahrsten Sinne des Wortes seinen Preis und ist nicht so flexibel und natürlich erst recht nicht an anderen Schulen einsetzbar. Somit ist für uns diese mobile Videografielösung in jedem Fall eine sinnvolle und nützliche Erweiterung.