Die Leitung des ZfM besuchte am 19.11.2015 die Zeitkonferenz Bildung & Schule, die in diesem Jahr unter Motto »Schule der Zukunft – alles digital?« stand. Neben vielen Befürworter_innen des digitalen Lernens war mit dem Buchautor Prof. Gerald Lembke nur eine sehr populistische, kritische Stimme vertreten. Die Zentrumsleitung sah den Ertrag der Tagung eher in dem Kennenlernen neuer Good-Practice-Beispiele und den diversen nationalen und internationalen Perspektiven unter Berücksichtigung von Gymnasiast_innen (leider keiner Schüler_innen anderer Schularten) als in der Klärung der im Titel genannten Frage. Das Fragezeichen wurde lediglich durch eine sehr populistisch formulierte Position Prof. Lembkes bedient, der abseits des medienpädagogischen und schulpädagogischen Wissenschaftsdiskurses nur auf der Grundlage einiger von ihm rezipierter Studien und seinen Beobachtungen bei Informatikstudierenden der dualen Hochschule den Verzicht auf digitale Medien und Medienerziehung in Grundschule und Kindergarten einforderte. Hier wäre die Berücksichtigung kritischer Stimmen zum digitalen Lernen und Entwicklungen der kindlichen Mediennutzung mit mehr Expertise in den Zielbereichen erforderlich gewesen, um die sicherlich berechtigte Frage, ob eine Digitalisierung der Schule für die Innovation von Unterricht ausreicht, differenziert zu diskutieren.

Von besonderem Interesse für die Bildungsplanreform in Baden-Württemberg dürfte der vorgestellte Länderindikator 2015 »Schule digital« sein, der von der Forschergruppe Bos der TU Dortmund auf der Basis einer repräsentativen Umfrage von 1250 Lehrkräften in weiterführenden Schulen im Auftrag der Telekomstiftung erstellt wurde. In der Vorabveröffentlichung wird Baden-Württemberg trotz nicht geringer Ausstattungsbemühungen in der letzten von drei Gruppen hinsichtlich der IT-Integration in Schulen bewertet. Grundlage dieser Einstufung war, dass Baden-Württemberg wie alle dieser Gruppe zugeordneten Bundesländer in mindestens 9 von 25 Indikatoren Defizite aufweist. Spannend wird sein, ob sich bei einem Studium des Gesamtberichtes die Defizite in Baden-Württemberg eher im Ausstattungsbereich oder im konzeptionellen Bereich verorten lassen.

Eine Vorabveröffentlichung von Auszügen des Länderindikators 2015 findet sich auf der Website der Telekomstiftung. Der umfassende Bericht zur Studie wird Mitte Dezember im Waxman Verlag unter dem Titel »Schule digital – Der Länderindikator 2015. Schulische Nutzung digitaler Medien im Bundesländervergleich« erscheinen.